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"Viele Aktivisten sind verschwunden"
29.03.2026 - 16:06 UhrLesedauer: 3 Min.

Luftaufnahme von Sednaya: In dem ehemaligen Militärgefängnis im Norden von Damaskus wurden Tausende gefoltert und ermordet. (Quelle: Ghaith Alsayed/AP/dpa-bilder)
Das ehemalige Militärgefängnis "Sednaya" ist ein Zeugnis der Folter und der Menschenrechtsverletzungen unter dem Assad-Regime. Doch wie steht es heute um Syrien?
Tausende politische Gefangene wurden hier festgehalten, gefoltert und ermordet: Sednaya, im Norden von Damaskus, diente von 1987 bis 2024 als größtes Militärgefängnis in Syrien. Während des syrischen Bürgerkriegs wurden dort laut Amnesty International allein zwischen 2011 und 2015 bis zu 13.000 Menschen hingerichtet.
Seit dem Sturz des Assad-Regimes am 8. Dezember 2024, angeführt durch die Islamistengruppe Hajat Tahrir al-Scham (HTS), untersucht die Nichtregierungsorganisation "Prisons Museum" den dreiflügeligen Bau und seine grausame Vergangenheit. Die neue Sonderausstellung "Sednaya: Die Architektur von Repression und Tod in Syrien" in der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen gibt Einblicke in die Arbeit von "Prisons Museum".
"Sednaya ist ein Symbol der Folter unter Assad"
Anhand von Videodokumenten, Berichten von Überlebenden aus Sednaya und persönlichen Gegenständen legt die Ausstellung die Mechanismen eines autoritären Regimes offen, das über Jahrzehnte hinweg systematisch Menschenrechte verletzte. Dieses "menschliche Schlachthaus", wie der ehemalige Gefängniskomplex bezeichnet wird, sei jedoch nur ein Symbol für das komplexe System der Folter unter dem Assad-Regime, sagt der Direktor der Gedenkstätte Hohenschönhausen, Helge Heidemeyer. Und dieses System habe tief in die gesellschaftlichen Strukturen hineingewirkt.
Auch der syrische Journalist und Menschenrechtsaktivist Amer Matar, der "Prisons Museum" in Berlin als Direktor leitet, betont: "Es gibt kaum eine Familie in Syrien, die nicht mit den Gefängnissen in Syrien verbunden ist." Auch wenn inzwischen Tausende entlassen worden seien, wüssten die Angehörigen von Hunderttausenden Häftlingen noch immer nichts über deren Verbleib. "Prisons Museum" hat bisher mehr als 70 Gefängnisse in Syrien untersucht und dokumentiert. Viele werden jedoch von der derzeitigen islamistischen Übergangsregierung unter Präsident Ahmed al-Scharaa wieder als Gefängnisse genutzt, sagt Matar.
Menschenrechtsverletzungen in Syrien halten an
Menschenrechtsverletzungen wie Folter, Misshandlungen und erniedrigende Behandlungen sind auch im "neuen Syrien" ein großes Problem, wie die deutsch-syrische Initiative "Adopt a revolution" berichtet. In Dutzenden Fällen habe es willkürliche Festnahmen ohne jede Anklage gegeben. Brutale Gewalt und Demütigungen gegen Inhaftierte seien noch immer weitverbreitet. Betroffen seien nicht nur mutmaßliche Anhänger des Assad-Regimes, sondern auch Rückkehrende, Minderheiten und politische Aktivistinnen und Aktivisten.
Der syrischstämmige Journalist und Politologe Omar Alassad, der Teil von "Prisons Museum" ist, sagte t-online: "Viele syrische Aktivisten sind verschwunden und wir wissen nicht, wo sie sind." Die syrische Übergangsregierung habe außerdem unzählige Alawiten – zu denen auch die Assad-Familie gehört – ohne Anklage festgenommen. Sie gelten in den Augen vieler als Unterstützer des gestürzten Regimes. Die "Gesellschaft für bedrohte Völker" schätzt, dass seit dem Sturz des Machthabers bis zu 60.000 Alawiten getötet, verletzt oder vertrieben wurden.


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