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Polens Präsident entzieht Selenskyj höchste Auszeichnung
19.06.2026 - 23:09 UhrLesedauer: 2 Min.

Der polnische Präsident Karol Nawrocki (l.) und sein ukrainischer Amtskollege Wolodymyr Selenskyj: Die Beziehung zwischen beiden ist angespannt. (Archivbild) (Quelle: IMAGO/Robertas Riabovas/imago)
Polens Präsident Karol Nawrocki hat dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj den Weißen-Adler-Orden entzogen – Kiew reagiert mit scharfer Kritik.
Polens Präsident Karol Nawrocki hat dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am Freitagabend in einer Videobotschaft die höchste Auszeichnung des Landes, den Weißer-Adler-Orden, aberkannt. Die ukrainische Regierung verurteilte den Schritt umgehend als "strategischen Fehler" und "respektlos".
Auslöser des Streits war eine Entscheidung Selenskyjs Ende Mai, eine ukrainische Armeeeinheit nach der Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA) zu benennen. Die UPA tötete zwischen 1943 und 1945 bis zu 100.000 ethnische Polen in der Region Wolhynien – in Polen gelten diese Taten als Völkermord, in der Ukraine werden UPA-Mitglieder hingegen als Helden im Unabhängigkeitskampf gegen die Sowjetunion verehrt.
Tusk wollte Eskalation vermeiden
Mit seiner Entscheidung setzte sich Nawrocki über den Willen von Regierungschef Donald Tusk hinweg. Dieser hatte die Benennung der Armeeeinheit zwar ebenfalls als "schlechte Entscheidung" bezeichnet, den Präsidenten aber gebeten, den Streit nicht weiter eskalieren zu lassen.
Nawrocki, der der nationalkonservativen Oppositionspartei PiS nahesteht, vertritt seit seinem Amtsantritt 2025 eine kritische Haltung gegenüber der Ukraine. Er lehnt einen EU- und Nato-Beitritt des Nachbarlandes ab, blockierte ein Gesetz zur Verlängerung von Fördermaßnahmen für ukrainische Geflüchtete und hat Kiew trotz mehrfacher Einladungen bislang nie besucht.
Sein Schritt richte sich nicht gegen die ukrainische Bevölkerung und bedeute keine Änderung der strategischen Ausrichtung der polnischen Sicherheitspolitik, betonte Nawrocki. Für die überwältigende Mehrheit der Polen bleibe die UPA jedoch eine Einheit, die für brutale Verbrechen an polnischen Bürgern während des Zweiten Weltkriegs verantwortlich sei, fügte er hinzu.
Ukraine kündigt Gegenreaktion an
Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha reagierte mit Bedauern auf die Aberkennung. In Warschau hätten die Emotionen die Überhand gewonnen und die politisch Verantwortlichen zu ungerechtfertigten, impulsiven und respektlosen Handlungen gedrängt, erklärte er. Als Zeichen des Protests werde er eine Auszeichnung zurückgeben, die er 2022 selbst von Polen erhalten habe.
Polen zählt bislang zu den wichtigsten militärischen und humanitären Unterstützern der Ukraine und hat hunderttausende Geflüchtete aufgenommen. Kommende Woche findet im polnischen Danzig eine Konferenz zum Wiederaufbau der Ukraine statt, an der auch Bundeskanzler Friedrich Merz teilnehmen soll. Ob Selenskyj dabei sein wird, ist noch offen. Tusk hatte vor Nawrockis Entscheidung die Hoffnung geäußert, dass die Organisation der Konferenz nicht untergraben werde.
Bereits 2024 hatte Streit über die Massaker von Wolhynien zu diplomatischen Spannungen zwischen Kiew und Warschau geführt.


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