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US-Präsident Donald Trump im Johnson Space Center der NASA in Houston, Texas: Die Folgen des Krieges im Iran werden immer problematischer. (Quelle: Kylie Cooper)
Trump will Venezuela zum Öllieferanten der USA machen und damit den Benzinpreis drücken. Doch der vermeintlich große Coup kann sein Dilemma nicht lösen.
Bastian Brauns berichtet aus Washington
Es könnten so schöne Nachrichten für Donald Trump sein. Die Lösung für sein Inflations- und Benzinpreisproblem könnte in jenem Land liegen, dessen bisherigen Herrscher Nicolás Maduro er mithilfe einer Militäroperation entführen und in den Vereinigten Staaten vor Gericht stellen ließ.
Venezuela verfügt über einige der größten Ölreserven der Welt. Nun hat die Trump-Regierung einen Deal mit der Regierung von Maduros Nachfolgerin Delcy Rodríguez geschlossen, der nicht nur amerikanischen Firmen, sondern dem Staat selbst Zugriff auf einen erheblichen Teil dieser Reserven verschaffen soll.
Aber was steckt hinter diesem Öl-Deal? Wann fließt das Öl überhaupt? Und ist Trumps Schachzug, der vor allem von seinem Außenminister Marco Rubio eingefädelt worden sein soll, überhaupt geeignet, um die gestiegenen Energiepreise in den USA zu dämpfen?
Venezuela soll Trumps Ölpreis-Problem lösen
Der US-Präsident selbst nannte seine Vereinbarung mit Venezuela auf seiner Plattform "Truth Social" den "größten Öl-Deal der Welt". Die US-Regierung solle gemeinsam mit einem privaten venezolanischen Unternehmen 17 Ölfelder erschließen und ausbeuten, so Trump. Die USA sollen dabei 55 Prozent der Produktion erhalten.
Hinter dem Vorhaben steht die Firma North American Blue Energy Partners (NABEP) mit Sitz auf Barbados. Das Unternehmen betreibt bereits Ölfelder in Venezuela und will seine Produktion nach eigenen Angaben mit bis zu fünf Milliarden Dollar Fremdkapital innerhalb von fünf Jahren auf eine Million Barrel pro Tag steigern.
Ungewöhnlich und unerwartet ist dabei die Rolle des amerikanischen Staates. Die USA besitzen anders als etwa Saudi-Arabien oder Mexiko keine staatliche Ölgesellschaft, die solche Projekte selbst betreiben könnte. Die Trump-Regierung aber will nun nicht zum ersten Mal von staatlicher Seite aus stark in die Privatwirtschaft eingreifen.
Nach den bislang bekannten Plänen soll deshalb das Pentagon über sein Office of Strategic Capital die Entwicklung unterstützen, während NABEP die operative Arbeit übenimmt. Gleichzeitig soll die US-Regierung das Recht erhalten, Anteile an NABEP oder einer verbundenen Gesellschaft zu erwerben.
Ein Deal mit politischen Fragezeichen und Risiken
Das Geschäft steht politisch durchaus auf wackeligen Beinen. Denn der Vertragspartner der USA ist eine Regierung, die nicht durch eine Wahl an die Macht gekommen ist. Die aktuelle Präsidentin Delcy Rodríguez übernahm das Amt, nachdem die USA Maduro im Januar abgesetzt hatten. Für Investoren bedeutet das auch Unsicherheit. Denn es ist ein Deal mit der Regierung Venezuelas, deren Zukunft an Trump hängt. Darum musste wohl die Regierung, also der amerikanische Steuerzahler, selbst einspringen.
Hinzu kommt: Alejandro Betancourt, der CEO von NABEP, ist in Venezuela zwar gut vernetzt und hat sich in den vergangenen Jahren als einer der wenigen Unternehmer etabliert, die die Ölproduktion tatsächlich steigern konnten. Doch es gibt seit Jahren Korruptionsvorwürfe gegen ihn. Wegen seiner privaten Bankkonten wird wohl in Zürich ermittelt. Eine Anklage gibt es aber bislang nicht. Die Trump-Regierung soll Betancourt laut US-Medienberichten beim Abschluss dieses neuen Deals unterstützt haben.
Das Öl wird zu spät kommen
Doch selbst, wenn alles glattlaufen sollte, ist der Deal für Trump noch kein Rezept gegen die immens gestiegenen Benzinpreise, die deutlich mehr als einen Dollar pro Gallone über den Preisen vom vergangenen Jahr liegen. Denn das entscheidende Problem ist der Zeitraum für das Projekt. Viele der Ölfelder, um die es geht, sind bislang nur unzureichend erschlossen. Bis dort nennenswerte Mengen gefördert werden, dürften Jahre vergehen.
Ein schneller Effekt auf das weltweite Ölangebot und damit auf den Preis ist nach Einschätzung von Energieexperten höchst unwahrscheinlich. Venezuela produziert derzeit etwas mehr als eine Million Barrel am Tag, was ungefähr einem Prozent der weltweiten Förderung entspricht. Trump zeichnet für seine Wähler aber gewissermaßen ein Bild vom plötzlichen Öl-Reichtum als Antwort auf ihr größtes Problem.
Das ist der entscheidende Haken an Trumps vermeintlicher Rechnung: Der Benzinpreis an amerikanischen Tankstellen hängt nicht davon ab, ob der US-Präsident künftig günstigen Zugriff auf venezolanisches Öl bekommt. Er hängt vor allem vom Preis auf dem globalen Ölmarkt ab. Selbst wenn die USA eines Tages 55 Prozent der Produktion eines großen venezolanischen Projekts kontrollieren sollten, senkt das nicht automatisch den Preis, den Amerikaner an der Zapfsäule bezahlen.
Trumps Iran-Krieg treibt den Ölpreis nach oben
Den Preis beeinflussen viele andere Faktoren – aktuell vor allem der von Trump entfachte Krieg mit dem Iran. Nachdem die vergangenen Wochen relativ ruhig verlaufen waren, sind die Kämpfe an diesem Wochenende wieder aufgeflammt. Das US-Militär griff iranische Kräfte an, die sich nach amerikanischen Angaben darauf vorbereiteten, Minen in der Straße von Hormus zu verlegen. Der Iran wiederum feuerte Raketen auf zwei US-Stützpunkte in Jordanien.
Diese erneuten Angriffe zeigen einmal mehr, wie weit dieser Konflikt noch von einem stabilen Frieden entfernt ist. Und für den globalen Ölmarkt bleibt die Straße von Hormus der neuralgische Punkt. Die Gefahr immer weiterer Unterbrechungen durch derlei militärische Scharmützel an dieser Route reicht aus, um die Märkte nervös zu machen. Die Ölsorte Brent stieg am Montag wieder über 90 Dollar je Barrel und WTI lag bei rund 86 Dollar.
Der US-Präsident kommt auch weiterhin nicht aus dem Dilemma, das sich zu Hause längst in desolaten Umfragewerten niederschlägt. Er muss die Energiepreise senken und führt gleichzeitig einen Krieg, dessen Fortgang die Ölpreise nach oben treibt. Wie problematisch die Lage im Nahen Osten für die USA ist, zeigt sich aber nicht nur am Ölpreis und der Blockade der Straße von Hormus.
Amerikas Militär gerät an seine Grenzen
Laut "Washington Post" zeichnet ein bislang unveröffentlichter Bericht der amerikanischen Militärführung ein ungewöhnlich düsteres Bild von der Verteidigungsfähigkeit des Landes. Mehrere ranghohe Generäle und Admirale warnen Trumps Verteidigungsminister Pete Hegseth demnach davor, die großen Militäroperationen gegen den Iran weiter auszudehnen. Die Warnungen sind dabei ziemlich konkret und haben in den USA eine heftige Diskussion ausgelöst, ob die Quelle der Journalisten nicht öffentlich gemacht werden müsste, weil die Sicherheit des Landes auf dem Spiel stehe.
Dem Bericht nach mussten das europäische, das pazifische und auch das südliche US-Kommando Schiffe, Flugzeuge und anderes Kriegsgerät für den Iran-Einsatz abziehen. Das erschwere nicht nur Operationen in den jeweiligen Gebieten, sondern beeinträchtige auch die Verteidigungsfähigkeit des amerikanischen Heimatlandes. Besonders dramatisch soll die Lage bei der Marine sein. Nach Angaben in dem Bericht hält der ranghöchste Offizier der US-Marine, der Chief of Naval Operations, die aktuelle Belastung für nicht dauerhaft tragbar. Nur noch etwa ein Viertel der Zerstörerflotte soll einsatzbereit sein.
Die Sprengkraft des Artikels ist aber noch größer: Denn auch bei anderen Waffensystemen sollen die Belastungen enorm sein. Die sogenannten Patriot- und THAAD-Abfangraketen sowie die Tomahawk-Marschflugkörper werden demnach knapp. Rund ein Viertel der Reaper-Drohnenflotte soll zerstört worden sein. Dazu haben amerikanische Militärbasen im Nahen Osten Schäden in Milliardenhöhe erlitten. Der Iran soll laut Satellitenbildern außerdem damit begonnen haben, die im vergangenen Jahr zerstörte Atomanlage wieder aufzubauen.
Trump verkündete am Montag einmal mehr, der Iran sei ein "gescheiterter Staat" und "tot". Zugleich drohte er mit weiteren Angriffen. Die Rechnung für den langen Krieg, für die wachsende Belastung der amerikanischen Streitkräfte, für die hohen Energiepreise und für den Zollkrieg mit Kanada müssen die Amerikaner bezahlen. Politisch trifft es womöglich auch schon bald – im November bei den Zwischenwahlen – die zur Wahl stehenden republikanischen Senatoren und Kongressabgeordneten.


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