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Trump schwächt Südkorea – trotz Nordkoreas Atomgefahr

3 weeks ago 7

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US-Präsident Donald Trump schüttelt dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un die Hand beim Treffen in der entmilitarisierten Zone (DMZ) 2019.Vergrößern des Bildes

US-Präsident Donald Trump (l.) schüttelt beim Treffen in der entmilitarisierten Zone (DMZ) 2019 dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un die Hand. (Quelle: KCNA)

Nordkorea baut sein Atomarsenal aus, sammelt Kampferfahrung an der Seite Russlands und kann inzwischen amerikanisches Festland bedrohen. Doch Donald Trumps zieht Konsequenzen, die abenteuerlich klingen und äußerst riskant sind.

Bastian Brauns berichtet aus Washington

Der Befund ist deutlich: Die Diktatur in Pjöngjang ist militärisch noch gefährlicher geworden – und zwar für die USA ebenso wie für ihre Verbündeten in Ostasien. Erst im Mai dieses Jahres erschien der Nordkorea-Bericht des "Congressional Research Service". Der parteipolitisch unabhängige wissenschaftliche Dienst des US-Kongresses beschreibt die gefährliche Entwicklung des nordkoreanischen Atom- und Raketenprogramms sehr konkret:

"Nordkoreas Atomstreitkräfte sind zunehmend in der Lage, das US-amerikanische Festland anzugreifen, und seine Raketenstreitkräfte können Südkorea und Japan mit nuklearen oder konventionellen Sprengköpfen treffen." So lautet einer der zentralen Sätze des zweiseitigen Dokuments. Und auch die 2026 veröffentliche Nationale Sicherheitsstrategie stellte fest: "Diese Streitkräfte gewinnen an Größe und Raffinesse und stellen eine klare und gegenwärtige Gefahr eines nuklearen Angriffs auf das amerikanische Heimatland dar. Auch die diesjährige Gefahrenanalyse der US-Geheimdienste kommt zum gleichen Ergebnis.

Doch der Präsident der Vereinigten Staaten sieht die Sache offenbar gänzlich anders. "Kim Jong Un und ich verstehen uns großartig!", schrieb Donald Trump am Sonntag auf seiner digitalen Plattform "Truth Social". Dabei kündigte er an, er habe seinem Verteidigungsminister Pete Hegseth befohlen, die regelmäßig stattfindenden, gemeinsamen Militärübungen mit Südkorea "erheblich" zu reduzieren. Seine Begründung: Die Übungen seien teuer und würden zudem ein "vollkommen unangemessenes und feindseliges" Signal an Nordkorea senden.

Trump übernimmt Sicht Nordkoreas

Die sich auftuende Diskrepanz könnte kaum größer sein. Auf der einen Seite steht ein Regime, das sein Atomwaffenarsenal ausbaut, seine Raketenprogramme vorantreibt und laut US-Geheimdiensten keinerlei Absicht hat, auf seine Atomwaffen zu verzichten. Hinzu kommt die Rolle Nordkoreas im Zusammenspiel mit China, Russland, dem Iran – auch im Krieg gegen die Ukraine. Auf der anderen Seite glaubt der amerikanische Präsident, es sei eine gute Idee, ebendieses Regime als "unbedrohlich und respektvoll" zu bezeichnen.

Trump übernimmt damit die Deutung der nordkoreanischen Propaganda. Eigentlich betonen die USA stets, dass die Militärübungen einen rein defensiven Charakter gegen den erkennbar aggressiven, direkten Nachbarn Südkoreas haben. Die Diktatur in Pjöngjang hingegen kritisiert die Militärübungen regelmäßig als Provokation, die die Spannungen verschärfe. Trump bestätigt nun gewissermaßen, was Kim Jong Un schon immer behauptet.

Trumps Anordnung an das US-Verteidigungsministerium kommt, kurz bevor die jährlich stattfindende gemeinsame Militärübung "Ulchi Freedom Shield" (UFS) mit Südkorea an diesem Montag beginnt und insgesamt elf Tage andauern soll. Diese offenbar von einer ganz eigenwilligen diplomatischen Perspektive getriebene Entscheidung des US-Präsidenten steht dabei im krassen Gegensatz zu den bisherigen Interessen Amerikas.

Die Wichtigkeit der Militärübungen

Denn die gemeinsamen Übungen von US-amerikanischen und südkoreanischen Streitkräften sind nicht nur ein symbolischer Akt der Stärke gegen den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un. Sie sind von vornherein immer auch als konkrete militärische Vorbereitung auf ebenjene reale Bedrohung angelegt gewesen, die nicht nur der Kongressbericht vom Mai eindrücklich beschreibt.

Wie Colonel Ryan Donald, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit des Combined Forces Command, des UN-Kommandos und der US-Streitkräfte in Korea, erklärte, spiegele die Übung den sich wandelnden Charakter der Kriegsführung Nordkoreas wider. Die Soldaten Nordkoreas "waren in der Ukraine im Einsatz und haben dort gekämpft", so Donald bei einer Pressekonferenz vor der beginnenden Militärübung. Die dort gewonnenen Erkenntnisse hätten sie dann mit nach Hause genommen. Das verändere die Fähigkeiten der nordkoreanischen Armee. "Unser Training trägt dieser Bedrohung Rechnung", sagte er.

Die diesjährigen Manöver sind demnach vor allem darauf ausgerichtet, sich an diese veränderte Form der Kriegsführung anzupassen. Ein Schwerpunkt sollte laut Colonel Donald auf Drohnen, elektronischer Kriegsführung, Cyberattacken und GPS-Störungen liegen. Rund 18.000 südkoreanische Soldaten sollen teilnehmen. In der Regel sind dazu US-amerikanische Soldaten jenes Kontingents dabei, das mit rund 30.000 Soldaten dauerhaft in Südkorea stationiert ist – eben wegen der seit Jahrzehnten vorherrschenden realen Bedrohungslage.

Ein Bündnis als reine Kostenfrage

Vor diesem Hintergrund ist Trumps Vorgehen noch bemerkenswerter. Das eigene US-Militär vor Ort diagnostiziert, dass Nordkorea durch seine Teilnahme an Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine wertvolle militärische Erfahrungen sammeln kann. Der wissenschaftliche Dienst des US-Kongresses kommt zum Ergebnis, dass das Land immer gefährlichere Atom- und Raketensysteme entwickelt und diese auch regelmäßig testet. Trumps Schlussfolgerung lautet: Es soll weniger gemeinsam trainiert werden.

Nicht zum ersten Mal handelt der US-Präsident in dieser Weise. Schon während seiner ersten Amtszeit blies er kurzerhand eine wichtige Militärübung mit Südkorea ab. Bereits 2018 gab das Pentagon nach einem ersten Aufeinandertreffen von Trump und Kim Jong Un bekannt, das vorbereitete Manöver auszusetzen. Trumps Begründung waren auch damals die angeblich zu hohen Kosten und eine Provokation Nordkoreas. 14 Millionen US-Dollar hätte die Übung verschlungen, so Trump damals.

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Auch heute beschwert sich Trump über die immensen Kosten der Militärübung. In seinem Beitrag auf "Truth Social" zeigt er sich verärgert darüber, dass die USA "wie gewöhnlich" den großen Anteil des Betrags bezahlen würden.

Tatsächlich schloss die ausgehende Biden-Regierung noch am 4. November 2024, einen Tag vor der Wiederwahl Donald Trumps, das 12. Verteidigungsabkommen mit Südkorea ab, welches das "Bündnis und unsere gemeinsame Verteidigung stärken" sollte. Es trat am 29. November in Kraft, einen Tag nach der Ratifizierung durch die südkoreanische Nationalversammlung. Das Abkommen sah unter anderem vor, dass der Kostenbeitrag Südkoreas auf rund 1,19 Milliarden US-Dollar im Jahr 2026 steigen sollte. Damit sollte unter anderem einer neuen Trump-Regierung das Kostenargument genommen werden.

Doch Trump macht die Frage nach einer Unterstützung Südkoreas gegen die direkte Bedrohung aus der Nachbarschaft darüber hinaus zu einem Loyalitätstest. Auch das wurde in seinem nordkoreafreundlichen Beitrag auf "Truth Social" deutlich. Der Tenor: Ihr helft uns nicht beim Iran, also überdenke ich meine militärische Zusammenarbeit mit euch. "Auch wenn es nicht direkt damit zusammenhängt (?), habe ich kürzlich den Präsidenten Südkoreas gefragt, ob sein Land sich uns bei der Denuklearisierung der Islamischen Republik Iran anschließen möchte", schrieb Trump und beklagte sich: "Die Antwort war: 'Nein, danke!'"

Es ist ein Muster, das Trumps Verbündete in Europa nur allzu gut kennen. Bündnisse sind für Trump keine langfristig angelegten, strategischen Verpflichtungen zu beiderseitigem Nutzen. Für den US-Präsidenten sind es jederzeit austauschbare oder aussetzbare Geschäfte, bei denen nur die andere Seite fortlaufend beweisen muss, was sie für ihn und die USA leistet.

Ein fatales Signal an Gegner und Verbündete

Das Signal, welches Trump mit seiner plötzlichen Einlassung gesendet hat, dürfte weit über Südkorea hinaus verfolgt werden – aufseiten der Verbündeten, aber auch aufseiten der Gegner. Gerade Japan und Taiwan gehören in der brisanten Region ebenfalls zu den Staaten, die von nordkoreanischen Raketen bedroht werden. Mit Sorge blicken die asiatischen Partner auf die derzeit im Nahen Osten gebundenen Kräfte der USA und den Verschleiß wichtiger Munition, etwa der rar werdenden Patriot-Abwehrraketen.

Trumps jetzige Entscheidung, die Militärübungen drastisch zu reduzieren, gefährdet darüber hinaus die strategische Planung für mögliche Kriegsszenarien im Pazifik, auch mit dem großen Rivalen China. Laut Experten müssten etwa auch die in Südkorea stationierten "United States Forces Korea" im Falle einer Invasion Taiwans zu Hilfe kommen. Reduziertes Training kommt einem solchen Einsatz kaum zugute.

Kim Jong Un zu umgarnen, versuchte Trump schon in seiner ersten Amtszeit. Der US-Präsident scheint weiterhin daran zu glauben, dass seine persönliche Beziehung zu ihm den strategischen Interessen der USA helfen könnte. Dabei soll Nordkorea Medienberichten zufolge noch im vergangenen Jahr Gesprächsanfragen der US-Regierung abgelehnt haben.

Auch nach dem berühmten Zusammentreffen von 2019 in der demilitarisierten Zone hielt Nordkorea an seinen Atomwaffen fest und bedroht weiterhin seine Nachbarn. Hinzu kommt: Der nordkoreanische Diktator ist heute in einer viel besseren Position als damals. Kim Jong Un ist dank wachsender Partnerschaft mit China und Russland nicht nur militärisch, sondern auch wirtschaftlich stärker geworden.

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