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Donald Trump und seine Pressesprecherin Karoline Leavitt beim Presse-Dinner im Weißen Haus im Juli 2026. (Quelle: Jonathan Ernst)
Donald Trumps Pressesprecherin Karoline Leavitt verlässt das Weiße Haus für ihre Kinder. Das ist nachvollziehbar und verdient Respekt. Ihr Rückzug wirft trotzdem ein schlechtes Licht auf sie und den amerikanischen Präsidenten.
Über Karoline Leavitt lässt sich vieles sagen. Aber eines sollte man ihr nicht vorwerfen: Dass sich die erst 28 Jahre alte Pressesprecherin von Donald Trump für ihre Kinder und gegen den fordernden Job beim amerikanischen Präsidenten entscheidet. Es scheint ein ganz persönlicher Entschluss zu sein und den gilt es zu respektieren.
Ende August soll Leavitt demnach ihren Posten als Trumps Pressesprecherin nach nur 20 Monaten verlassen, um mehr Zeit mit ihrer Familie zu verbringen. Leavitt hat gerade ihr zweites Kind bekommen. Ihre Tochter Viviana kam am 1. Mai zur Welt. Ihr Sohn Nicholas ist zwei Jahre alt.
Es ist legitim, zu sagen: Ich möchte mehr Zeit mit meinem Baby verbringen. Zumal Leavitt einen der stressigsten Jobs der Welt hat. Pressesprecherin des US-Präsidenten zu sein, bedeutet ohnehin schon 7 Tage pro Woche und 24 Stunden am Tag Politik, Krisen, Kameras und soziale Medien. Dazu noch ein Präsident, der mit eigener Kommunikationsplattform Truth Social keine Bürozeiten kennt. Es ist nachvollziehbar, dass Leavitt sagt, sie habe das Gefühl, nicht die beste Mutter für ihre Kinder sein zu können.
Leavitts in Washington unerwarteter Rückzug hinterlässt dennoch in mehrfacher Hinsicht einen bitteren Nachgeschmack.
Leavitt halbierte ihren Job als Pressesprecherin
Böse Zungen behaupten gar: Leavitt habe wenig zu tun gehabt, weil sie einen Teil ihrer eigentlichen Aufgaben umdeutete oder einstampfte. Traditionell ist der Posten nicht nur die verkündende Stimme des Präsidenten. Pressesprecher waren immer auch das Bindeglied zwischen Regierung und Öffentlichkeit.
Doch Karoline Leavitt verstand sich nicht als Brückenbauerin zu den Medienvertretern. Diese Aufgabe gab sie im Dienste von Trump auf. Sie war nur noch sein Sprachrohr. Leavitt verteidigte ihn, lobte ihn und huldigte ihm. Viel Zeit verwandte sie darauf, Trumps Kritiker harsch zu attackieren. Sie behandelte Journalisten so, als seien sie nicht Teil ihres Jobs, sondern entweder nützliche Idioten für die Regierungspropaganda oder Gegner, die es unschädlich zu machen galt.
Attackieren und Agitieren
Leavitt machte ihren christlichen Glauben dabei demonstrativ zu einem Teil ihrer öffentlichen Rolle. Nicht nur durch das Kreuz, das sie stets an einer Kette um den Hals trug. Sondern auch, indem sie öffentlichkeitswirksam mit Mitarbeitern betete, bevor sie das Podium im Pressraum des Weißen Hauses betrat.
Das war ihr gutes Recht. Aber es zeigte auch, wie sehr sie ihre Rolle als politische Agitatorin einer Regierung verstand, die den christlichen Glauben immer wieder für politische Zwecke instrumentalisierte, um jegliche Kritik an Trumps Regierung als antiamerikanisch oder unchristlich zu diskreditieren.
Leavitts Attacken gingen oft ins Persönliche. Einen Kollegen bezeichnete sie öffentlich als "left-wing hack", was so viel heißt wie "linker Propagandist". Sie erklärte ihm sinngemäß, er sei gar kein Journalist. Sein Vergehen war, danach zu fragen, wie viele Tote es bislang bei Festnahmen der Abschiebebehörde ICE gegeben hatte.
Einem Journalisten der Huffington Post antwortete sie per SMS auf Fragen zu einem möglichen Treffpunkt von Donald Trump mit Wladimir Putin mit den Worten: "Deine Mutter". Anschließend veröffentlichte sie den Chatverlauf und bezeichnete den Journalisten als "linken Hetzer", der sie ständig mit voreingenommenen Nachrichten bombardieren würde.
Sie bezeichnete Fragen und Fragende als "dumm", verweigerte Nachhaken, wenn es ihr lästig wurde. Sie beschimpfte Qualitätsmedien wie die "New York Times", die Nachrichtenagentur AP oder Journalisten von CNN. Trump-Anhänger innerhalb des akkreditierten Pressetross im Weißen Haus hofierte sie als "New Media" und bedankte sich für deren Fragen, die meistens sinngemäß lauteten: "Warum macht Donald Trump einen so tollen Job?".
Verteidigerin falscher Behauptungen
Leavitt machte ihren Job also nicht – zumindest nicht im herkömmlichen Sinn. Zu tun hatte sie trotzdem allerhand. Viel beschäftigt war sie damit, Behauptungen zu verbreiten, die sich als falsch herausstellten. Mehrfach sagte sie etwa, die Biden-Regierung habe 50 Millionen Dollar für Kondome in Gaza ausgegeben. Sie feuerte damit Spekulationen an, wonach Hamas-Terroristen damit Bomben gebaut hätten. Leavitts Aussage war frei erfunden.
Später sollten laut ihrer Aussage die Eierpreise seit Trumps Amtsantritt um "mehr als 50 Prozent" gesunken sein. Ebenfalls eine Unwahrheit. Als dann der Signal-Chat von Regierungsmitgliedern im Zusammenhang des ersten Angriffs auf den Iran ans Licht kam, bezeichnete sie das Durchsickern von geheim eingestuften Informationen als kompletten "Schwindel" – wieder eine Falschbehauptung. Im Fall des zu Unrecht abgeschobenen Vaters Kilmar Abrego Garcia verbreitete sie, er sei Mitglied der kriminellen MS-13-Gang. Eine von den Strafverfolgungsbehörden nicht gestützte These.
Leavitts Rückzug offenbart ein bestimmtes Frauenbild
Dauernde Verdrehungen der Wahrheit können müde machen – schon in Trumps erster Amtszeit wurden sie beschönigend als "alternative Fakten" bezeichnet. Leavitts Job war also durchaus ein Vollzeitjob. Mit einem Präsidenten, der jeden Tag so viele Unwahrheiten verbreitet und Unruhe auslöst, fällt es schwer, auch nur ein Mindestmaß an familienfreundlichen Lenkzeiten einzuhalten.
Leavitts Rückzug dürfte nun gerade jenen in die Hände spielen, die in Trumps MAGA-Bewegung ein traditionelles Rollenbild von Frauen propagieren: Mutter und Hausfrau statt Karriere und Macht. Gerade die vielen evangelikalen Anhänger dürften ihren Schritt jedenfalls feiern. Die ideologische Botschaft: Man kann keine gute Mutter sein, wenn man zugleich arbeitet.
Dabei hat es eine andere Frau vorgemacht: Jen Psaki. Sie war unter Joe Biden Pressesprecherin und zuvor schon unter Barack Obama die Kommunikationsdirektorin des damaligen US-Präsidenten. Ebenfalls kein gemütlicher Nebenjob, sondern einer, an dem noch mehr Aufgaben hängen. Psaki nahm damals den Job an, als sie im sechsten Monat schwanger war. Nach der Geburt ihrer Tochter nahm sie zwölf Wochen Mutterschaftsurlaub und kehrte zurück.
Auch Psaki musste viel arbeiten. Sie hatte aber mit den Präsidenten Barack Obama und Joe Biden offenkundig keine Chefs, die so wie Donald Trump öffentliche Daueraufregung zur Strategie erhoben. Dabei war die Welt auch damals schon in Unruhe – erst recht seit dem Ukraine-Krieg. Karoline Leavitt war wegen Trump hingegen außergewöhnlich viel beschäftigt und am Ende vielleicht auch schlicht außergewöhnlich überfordert. US-Medien berichten, dass der Präsident sie selbst im Mutterschutz immer wieder anrief und wissen wollte, wann sie denn nun wiederkomme.
Für Trump ist das ein Verlust und für Leavitt eine unbequeme Wahrheit. Keine drei Monate vor den wichtigen Midterms hinterlässt sie ein Weißes Haus in desaströsem Zustand. Zurück bleiben viele kommunikative Baustellen für den Präsidenten. Trump hat historisch schlechte Umfragewerte, seinen ungelösten Iran-Krieg, eine Rekordverschuldung, das Zollchaos, die ernüchternden Arbeitsmarktzahlen und explodierende Verbraucherpreise. Das könnte ihn und die Republikaner im November beide Kammern im Kongress bei den Zwischenwahlen kosten.


3 weeks ago
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