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"Mir fällt es wahnsinnig schwer, das zu glauben"
Aktualisiert am 19.08.2026 - 08:54 UhrLesedauer: 4 Min.

Karl-Josef Laumann: NRW-Minister (CDU) verteidigte bei Lanz seine Partei. (Quelle: IMAGO/dts Nachrichtenagentur/imago)
Die Gäste der Sendung attestieren Unionspolitikern ein Glaubwürdigkeitsproblem. Bundeskanzler Merz bringe das in ernste Bedrängnis, sagt Robin Alexander.
In der ersten Sendung nach der Sommerpause wollte Moderator Markus Lanz am Dienstagabend mit seinen Talkgästen über die jüngste Kabinettsumbildung, die Rentenreform und die zunehmende hybride Bedrohung aus Russland diskutieren. Am Ende standen aber vor allem die Verfassung der CDU und die überraschenden Meinungswechsel ihrer führenden Politiker im Mittelpunkt.
Gäste:
- Karl-Josef Laumann (CDU), Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales in Nordrhein-Westfalen
- Robin Alexander, "Welt"-Journalist und Podcaster
- Sabine Adler, Osteuropa-Expertin
- Peter Neumann, Politologe
Die schwierige Aufgabe, seine Partei zu verteidigen, kam dabei NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann zu. Dieser sprach im Zusammenhang mit der Leihmutterschafts-Affäre, die zum Rücktritt Jens Spahns als Unionsfraktionsvorsitzender geführt hatte, von einer menschlichen Tragödie. Man habe mit ihm "einen sehr talentierten und durchsetzungsstarken Kollegen verloren".
Gleichzeitig betonte Laumann, dass Spahns Verzicht auf den Posten unvermeidbar gewesen sei. "Wenn man als Politiker seine Glaubwürdigkeit verloren hat, dann war es das halt", stellte der CDU-Politiker nüchtern fest und erinnerte an das christliche Wertefundament der Union.
Kritik an Doppelmoral des ehemaligen Fraktionschefs
Spahn hat mit seinem Ehemann in den USA die Dienste einer Leihmutter in Anspruch genommen, obwohl diese Praxis in Deutschland verboten ist und er sich als früherer Bundesgesundheitsminister sowie prominenter Unionsvertreter stets gegen diese Praxis ausgesprochen hatte.
"Bestimmte Dinge kann man nicht heilen", befand Robin Alexander dazu. Die entsprechenden Gesetze würden schließlich in Deutschland im Parlament diskutiert und verabschiedet. "Da kann man nicht als Abgeordneter sagen: Ich fahre nach Amerika und tue das, was in Deutschland verboten ist", so der erfahrene Beobachter des Berliner Politbetriebs.
In der Runde gab es zu dem Thema, das im Juli die Titelseiten gefüllt hatte, offensichtlich noch immer großen Diskussionsbedarf. So kritisierte die Journalistin Sabine Adler, die als Osteuropa-Expertin eingeladen war, Spahns ungeschickte Kommunikationsstrategie, während Talk-Gastgeber Lanz grundlegende Zweifel an einem Argument äußerte, das dieser zu seiner Verteidigung vorgebracht hatte.
"Mir fällt es wahnsinnig schwer, das zu glauben", sagte der Moderator zu der Behauptung des CDU-Politikers, die Leihmutter habe nicht in Geldnöten gesteckt. Die in diesem Bereich tätigen Frauen, die er kennengelernt habe – unter anderem bei Dreharbeiten im Süden der USA –, hätten alle ausschließlich aus finanziellen Motiven gehandelt, erklärte Lanz. "Die Zahl von Millionärinnen, die Leihbabys austragen, geht eher gegen null", fügte er polemisch hinzu.
Verstolperte Kabinettsumbildung als folgenreicher Fehltritt
Dass auch Bundeskanzler Friedrich Merz in der Folge des Spahn-Rücktritts keine gute Figur abgegeben und die personelle Neuaufstellung seines Kabinetts "verstolpert" habe, stellte wiederum Alexander heraus. Der "Welt"-Kolumnist und Podcaster interpretierte das nicht nur als verpasste Chance des Regierungschefs und CDU-Vorsitzenden, sondern als folgenreichen Fauxpas. "Da entsteht halt der Eindruck, dass die CDU es handwerklich nicht mehr kann", erklärte der Journalist.
Besonders amüsant fanden die Talkteilnehmer in diesem Zusammenhang das virale Video aus dem Mai 2025, in dem der damalige CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann einräumt, dass er sich das Amt des Bundesgesundheitsministers nicht zutraut – ein Amt, das er nun übernommen hat.
"Das Video liegt vor und niemand hat es vergessen – außer der CDU", sagte Alexander zur PR-Arbeit der Partei und wunderte sich darüber, dass man nicht auf die absehbaren Reaktionen vorbereitet gewesen sei.
Adler war sich sehr sicher, dass Linnemann später, also bei der Berufung ins Amt, noch immer kein gutes Gefühl gehabt habe. "Man spürt das Muffensausen, das er hat. Er hat richtig Angst davor, jedenfalls interpretiere ich das so", kommentierte sie den entsprechenden Auftritt des CDU-Politikers.
Ost-Ministerpräsidenten bringen Merz in Schwierigkeiten
Im späteren Verlauf der Diskussion gerieten auch die christdemokratischen Regierungschefs aus den östlichen Bundesländern, die sich aktuell lautstark gegen die von der Bundesregierung beschlossene Abschaffung der "Rente mit 63" aussprechen, ins Visier der Talkteilnehmer.
Moderator Lanz legte anhand von Äußerungen der CDU-Ministerpräsidenten Sven Schulze (Sachsen-Anhalt), Mario Voigt (Thüringen) und Michael Kretschmer (Sachsen) dar, wie die drei sich von eindeutigen Unterstützern der Maßnahme und des Rentenpakets aus Eigeninteresse und innerhalb kurzer Zeit zu vehementen Kritikern entwickelt hätten.
"Das sind alles Unions-Eigentore. Da hat keine SPD, keine AfD – niemand hat da aufs Tor geschossen, außer die eigenen Leute", beurteilte Alexander diese Meinungsumschwünge zulasten des eigenen Regierungschefs. In der Massierung werde das für Merz zum Problem.
"Ich glaube, wenn diese Rentenreform nicht kommt, dann haben wir wirklich die Frage, ob diese Kanzlerschaft weitergeht", mutmaßte der Journalist. Schließlich sei Merz mit dem Versprechen angetreten, das Land umfassend zu reformieren. Sollte es auch auf dieser Ebene innerhalb der CDU zu einer Kehrtwende kommen, so ließen sich die Worte des Journalisten interpretieren, könnte das für Merz als Regierungschef die letzte sein.


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