PROTECT YOURSELF with Orgo-Life® QUANTUM TECHNOLOGY
Orgo-Life the new way to the future Advertising by Adpathway
Wladimir Putin beim SOZ-Gipfel in Bischkek: Deutschland macht Russland für den Drohnenangriff in Leipzig verantwortlich. (Quelle: IMAGO/Peter Kovalev/imago)
Gut einen Monat nach dem Drohnenvorfall in Leipzig benennt die Bundesregierung Russland als Urheber. Ein Experte erklärt, welche Maßnahmen den Kreml wirklich treffen könnten.
Beobachter hatten gut einen Monat auf diesen Termin gewartet. Nach dem Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle von Anfang August stand Russland als wahrscheinlicher Urheber schon länger im Raum. Offiziell ausgesprochen wurde das von Regierungsstellen jedoch nicht. Bis zum gestrigen Dienstag. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Außenminister Johann Wadephul (CDU) machten Russland für den gescheiterten Drohnenangriff verantwortlich.
Als Reaktion kündigte Wadephul an, dass etwa das russische Konsulat in Bonn geschlossen werden soll. Zudem werde der Vertrag für das Russische Haus in Berlin gekündigt. "Wir befinden uns nicht im Krieg, aber wir sind tägliches Ziel hybrider Kriegsführung", beschrieb Dobrindt die Lage. Doch was bedeuten die angekündigten Maßnahmen für das deutsche Verhältnis zu Russland? Wird der Kreml nun von weiteren Angriffen absehen? Sicherheitsexperte Peter Neumann ordnet die Lage im Interview mit t-online ein.
t-online: Herr Neumann, erstmals hat die Bundesregierung Russland als Urheber des Drohnenanschlags von Leipzig klar benannt. Wie bewerten Sie den Auftritt der Minister Dobrindt und Wadephul?
Peter Neumann: Im Großen und Ganzen war es okay. Was mich etwas enttäuscht hat, war die sogenannte Attribuierung, also die eindeutige Zuordnung Russlands als Urheber mittels Beweisen.

Zur Person
Peter R. Neumann (geboren 1974) ist Professor für Sicherheitsstudien am King's College London. Zu seinen Fachgebieten zählen Radikalisierung, Terrorismus, Aufstandsbekämpfung und Nachrichtendienste. Zudem hat Neumann bereits mehrere Bücher über diese Themengebiete verfasst.
Was hatten Sie erwartet?
Bislang hieß es immer, dass nichts gesagt würde, bevor die Ermittlungen fortgeschritten seien und genügend Beweise vorlägen. Ich hatte also erwartet, dass Dobrindt etwa Bilder oder Diagramme zeigt, die den Vorwurf untermauern. Damit hätte er dem skeptischen Teil der deutschen Bevölkerung deutlich gemacht, was da eigentlich vorgefallen ist. Doch das hat er nicht.
Warum nicht?
Darüber lässt sich nur spekulieren. Wahrscheinlich wollten die Geheimdienste das nicht. Das wollen sie in der Regel nie, da sie nicht verstehen, dass mit der Öffentlichkeit kommuniziert werden muss. Darüber hätte sich Dobrindt hinwegsetzen müssen.
Dobrindt sagte, dass die Drohne, Bauteile, der Sprengstoff und weitere Funde denen früherer russischer Aktionen ähnelten. Welche Aktionen meinte er damit?
Zumindest keinen Vorfall in Deutschland. Womöglich gibt es da aber eine Verbindung nach Rumänien, wo es bereits mehrere Drohnenvorfälle gab.
Dobrindt und Wadephul haben eine ganze Reihe an Gegenmaßnahmen angekündigt. Schrecken Putin die Schließung des Russischen Hauses in Berlin oder des Generalkonsulats in Bonn von weiteren hybriden Angriffen ab?
Das sind rein diplomatische Maßnahmen. Ich glaube, dass Putin darauf zunächst mit sogenannten reziproken Maßnahmen reagieren wird, also mit der Schließung deutscher Konsulate und Kulturinstitute in Russland. Andere Ankündigungen könnten jedoch durchaus von größerer Bedeutung für den Kreml sein.
Welche meinen Sie?
Den angekündigten Druck auf die Schattenflotte sowie "Maßnahmen im nachrichtendienstlichen Bereich", die genannt wurden. Was genau sich dahinter verbirgt, wissen wir nicht. Aber das können bedeutende Maßnahmen sein. Das wird sich nun zeigen müssen.
Bei der Schattenflotte war Deutschland bislang zurückhaltend. Wie könnte die Bundesregierung da Druck aufbauen?
Man könnte sich an den Maßnahmen beteiligen, die Großbritannien und andere Länder bereits umsetzen: Tanker stoppen und Öl einziehen. Das hat man bislang nicht gemacht, wohl aus rechtlichen Überlegungen. Das würde Putin das Leben deutlich schwerer machen.
Manche Sicherheitsexperten haben die Einberufung des Artikels 4 des Nato-Vertrags bereits gefordert. Dazu ist es nicht gekommen. Wie sehen Sie das?
Ich hatte ohnehin nicht damit gerechnet. Dabei geht es vor allem um Koordination mit den Alliierten. Vielleicht hebt sich die Bundesregierung das noch für einen Angriff auf, der tatsächlich gelingt.
Sie gehen also von weiteren Anschlägen aus.
Ja, und deshalb hatte ich mir erhofft, dass der Vorfall zum Anlass genommen wird, sich beim Thema hybrider Krieg systematischer aufzustellen. Dass man also tatsächlich Strukturen schafft, die konsequent über Ressorts hinweg an diesem Thema arbeiten, die kritische Infrastruktur besser schützen, die Abläufe planen, diese Abläufe auch üben, die Verantwortlichkeiten klar aufteilen, die Netzwerke von Wegwerfagenten viel konsequenter verfolgen. Man könnte etwa dem Nationalen Sicherheitsrat dafür eine Verantwortung geben.
Welche Vorteile hätte das?
Jetzt reden alle über Drohnenabwehr. Die Bundesregierung macht Drohnenabwehrzentren auf. Das ist nicht durchweg falsch. Aber vielleicht ist der nächste Anschlag wieder eine Paketbombe. Statt sich von einem Vorfall zum nächsten zu hangeln, braucht es ein Gesamtkonzept. Das ist leider meines Wissens noch nicht passiert.
Besonders Kanzler Merz hatte eine deutliche Reaktion auf den Vorfall von Leipzig angekündigt. Auf der Pressekonferenz aber war er nicht. War das richtig?
Mit Dobrindt und Wadephul waren die richtigen Ressorts vertreten. Ihr Auftritt war der Situation angemessen und sie konnten Wichtiges verkünden. Den Bundeskanzler habe ich dabei nicht vermisst. Ich denke, diese Aufteilung war der Wichtigkeit des Vorfalls angemessen.
Herr Neumann, vielen Dank für das Gespräch.


12 hours ago
1


















English (US) ·
French (CA) ·
French (FR) ·